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Donnerstag, den 07. Mai 2015

Eurokrise

22.11.2011 Bleibt unser Geld sicher?





Die vergangenen Wochen und Monate stellen eine echte Zäsur in Europa dar. Noch nie stand ein Staat der Europäischen Union so unmittelbar vor der Pleite, wie aktuell Griechenland. Selbst ein Ausschluss aus dem Euro scheint noch immer möglich. Die Antwort der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind Rettungsschirme, deren Höhen längst schwindelerregend erscheinen. Schlimmer noch, mit Italien taumelt nun auch die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone. Für Anleger stellen sich viele Fragen. Ist mein angelegtes Geld bei den Banken in Gefahr und ist eine Lösung der Krise in absehbarer Zukunft erreichbar?
Schuldenkrise und kein Ende
Die griechische Finanzkrise dauert nun schon seit weit über einem Jahr an. Die ersten Meldungen über finanzielle Schwierigkeiten des Landes fanden noch wenig Medienecho und Resonanz in der Politik. Schnell wurde aber klar, dass Griechenland wohl schon länger Haushaltsprobleme hatte, dies aber mit teilweise falschen Statistiken verschleiert hatte. Der Grund für die Probleme ist, dass der griechische Staatshaushalt ein strukturelles Defizit aufweist, wodurch sich jedes Jahr höhere Schulden ansammeln. Die Folge davon ist wiederum, dass sich der Staat nicht mehr durch die Herausgabe von Staatsanleihen finanzieren kann, da die Zinsen hierfür zu stark angestiegen sind.
Die Reaktion auf die Krise, ein harter Sparkurs, hat zudem die griechische Wirtschaft stark geschädigt, da die Menschen kaum noch Geld für den Konsum besitzen. Durch die Neubildung einer Regierung, die von einer breiten Mehrheit im Parlament aus Sozialisten und Konservativen unterstützt wird, ist aber zumindest die Chance wieder gestiegen, dass das nächste Sparpaket ratifiziert wird. Immerhin ist dies die notwendige Vorgabe, damit die nächste Tranche der EU-Hilfsgelder über acht Milliarden Euro an Griechenland überwiesen wird. Allerdings steht Griechenland mit seinen Haushaltsproblemen längst nicht alleine dar, wie ein Blick auf die folgende Grafik der aktuell höchsten Haushaltsdefizite in der EU zeigt.


Wem schuldet Griechenland Geld?
Die Liste der Gläubiger von Griechenland ist lang. Sie besteht aus ausländischen Staaten, öffentlichen Institutionen und privaten Anlegern. Unterscheiden kann man hierbei vor allem die folgenden Akteure, denen Griechenland aktuell insgesamt rund 360 Milliarden Euro schuldet:
• EZB (Europäische Zentralbank)
• IWF
• EU
• ausländische Banken
• griechische Banken
• Fonds
Wie viel Geld ist schon geflossen?
Aus dem im Jahr 2010 von EU und Internationalem Währungsfonds beschlossenen Hilfspaket über 110 Milliarden Euro wurden bisher in fünf Tranchen bereits über 65 Milliarden Euro ausgezahlt. Vereinbart wurde, die genannte Summe über einen Zeitraum von drei Jahren auszubezahlen. Aus der EU flossen 41 Milliarden, wobei Deutschland 13,5 Milliarden Euro als Anteil besitzt. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel Ende Oktober 2011 wurde auch eine Beteiligung der Banken an der Schuldenbekämpfung von Griechenland vereinbart. Dies bedeutet, dass die Banken 50 Prozent des Werts ihrer griechischen Anleihen abschreiben sollen.
Krisenbekämpfung durch Rettungsfonds EFSF
Nachdem sich die Krise in den vergangenen Monaten verschlimmerte, wurden die erwähnten Hilfsgelder in Höhe von 110 Milliarden Euro aufgestockt. Aktuell beträgt das Kreditvolumen des Rettungsfonds EFSF 440 Milliarden Euro, wobei die Garantiesumme sogar bei 780 Milliarden Euro liegt, damit der ESFS die höchstmögliche Bonität von „AAA“ behält. Um auch für eventuell weitere Staaten mit Schuldenproblem gerüstet zu sein, wurde vor wenigen Wochen beschlossen, dass die Kredithöhe noch einmal auf einen Betrag von einer Billion Euro gehebelt wird.
Dahinter verbirgt sich der Ansatz, dass der Fonds bei Staatsanleihen als eine Art Teilkaskoversicherung fungiert, indem er bei einem eventuellen Ausfall einen prozentualen Teil der Verluste, konkret 20 Prozent, übernimmt. Dadurch kann die Summe, die der ESFS garantiert, dementsprechend höher angesetzt werden. Ob institutionelle oder auch private Anleger sich von dieser Strategie überzeugen lassen, wird sich aber erst in der Zukunft zeigen.
IWF – Retter mit besonderer Stellung
Neben der EU hat sich auch der Internationale Währungsfonds an der Rettung von Griechenland beteiligt. Was in der Öffentlichkeit kaum erwähnt wird, ist jedoch die Tatsache, dass Kredite durch den IWF immer vorrangig bedient werden. Konkret bedeutet dies, dass die Kredite des IWFs bei einer Insolvenz des Gläubigers als erste bedient werden. Die EU hätte in diesem Fall das Nachsehen.
Italien – Politischer Neuanfang in letzter Sekunde
Auch wenn die Lage in Griechenland noch lange Zeit schwierig bleiben wird, die eigentliche Sorge macht sich die Politik längst um Italien. Der Grund ist einfach, Italien ist im Vergleich zu Griechenland ein wirtschaftliches Schwergewicht. Ein Zusammenbruch der Staatsfinanzen in Rom hätte weitaus weitreichendere Folgen für den Euro. Nachdem Silvio Berlusconi zurückgetreten ist und ein umfangreiches Sparpaket auf den Weg gebracht wurde, stehen die Zeichen aber wieder verstärkt auf Hoffnung. Mit Mario Monti ist ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte neuer Ministerpräsident, der vor allem mehr Vertrauen genießt als der skandalträchtige Berlusconi.
Allein die Nominierung von Monti und die Verabschiedung des Sparpakets haben am vergangenen Montag dazu geführt, dass die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen gefallen sind. Allerdings ist das Zinsniveau für Anleihen des Staates immer noch sehr hoch, so liegen fünfjährige Staatsanleihen bei über 6 Prozent. Zum Vergleich, Deutschland kann sich aktuell, zumindest bei kurzfristigen Staatsanleihen, für einen Zeitraum von 6 Monaten fast zum Nulltarif verschulden. So wurden vor wenigen Tagen Bundesanleihen mit dieser Zeitspanne zu einem Zinssatz von 0,08 Prozent herausgegeben. Durch die hohe Bonität Deutschlands wurden die Papiere innerhalb kurzer Zeit verkauft. Dass solche Anleihen trotz extrem niedriger Zinshöhe stark begehrt sind, beweist ebenfalls, wie nervös die Märkte aktuell sind.
Grundsätzlich wird die italienische Wirtschaft aber als robust eingeschätzt. Doch die neue italienische Regierung muss sich das in der Amtszeit Berlusconis verspielte Vertrauen erst wieder zurückgewinnen. Wie lang dies dauern wird und ob nicht doch Rettungsmaßnahmen durch die EU notwendig sein werden, kann aktuell noch niemand voraussagen.
Wie steht es um die Geldeinlagen bei den Banken?
Auch wenn die Banken durch den Schuldenschnitt für Griechenland einen Teil der Anleihen abschreiben müssen, ist eine neue Bankenkrise hierdurch nicht zu erwarten. Der Grund ist, dass die meisten Banken die Anleihen in ihren Büchern längst anhand des Markwerts verbucht und somit teilweise bereits abgeschrieben haben. Deutsche Banken haben zudem weniger stark in griechische Anleihen investiert, verglichen beispielsweise mit Bankinstituten in Frankreich.
Außerdem sind Spareinlagen in der EU bis zu einem Betrag von 100 000 Euro pro Sparer überall geschützt . Wie gesagt, dass deutsche Banken durch den Schuldenschnitt ins Strudeln geraten, ist nicht zu erwarten. Schwierig wird es dagegen beispielsweise für viele griechische Banken. Zu beachten ist aber auch, dass bereits heute verschiedene französische und italienische Banken durch die Euro-Krise hohe Verluste einfahren. Inwieweit auch hier wieder die Politik einspringen muss, um beispielsweise die berühmten „systemrelevanten Banken“ zu retten, ist momentan nur schwer abzusehen. Gänzlich unrealistisch sind solche Szenarien aber nicht. Allerdings wären auch in diesem Fall , die Anlagen der Privatanleger wieder vor einem Verlust geschützt.
Stabiler Euro trotz Krise
Trotz der lang anhaltenden Krise in einigen Ländern des Euroraums, hält sich der Euro in seiner Stabilität bisher sehr gut. Ein Abfall des Umtauschkurses musste bisher nicht festgestellt werden. So notiert der Euro gegenüber dem US-Dollar fast unverändert zum Stand vor einem Jahr. Auch eine stärkere Inflation ist für den Moment nicht zu befürchten. Sollte allerdings die Europäische Zentralbank in Zukunft Staatsanleihen von Staaten mit hohen Zinsaufschlägen noch stärker aufkaufen als bisher, würde sich die Gefahr einer Inflation deutlich erhöhen. Außerdem würde das den Reformdruck in diesen Ländern verringern.


Zerfällt die Euro-Zone?
Auch wenn ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone nicht ausgeschlossen werden kann, ein Zerfall der Währungsgemeinschaft ist in näherer Zukunft nicht zu befürchten. Für Deutschland ist dies auch nicht wünschenswert, denn als Exportnation profitiert die Bundesrepublik in besonderem Maß von der Gemeinschaftswährung. Würde beispielsweise die D-Mark wieder eingeführt, würde die Währung im Vergleich zu anderen Währungen stark aufgewertet werden.
Die Folge wäre, dass deutsche Produkte für viele Abnehmer zu teuer werden würden und einheimische Firmen weniger Waren verkaufen könnten. Ein Beispiel ist aktuell die Schweiz, die durch den starken Franken erhebliche wirtschaftliche Probleme durchstehen muss und den Umtauschkurs des Franken durch Intervention der Nationalbank künstlich drückt. Wie lang diese Strategie durchgehalten werden kann, ist selbst bei einem finanzstarken Land wie der Schweiz aber ungewiss.
Euro-Krise, wie geht es weiter?
Die Euro-Krise wird ganz sicher in einigen Ländern der Eurozone wohl auch in den nächsten Jahren weiter existieren. Als negativer Effekt wird die Wirtschaft in Europa und somit auch in Deutschland langsamer wachsen. Für das laufende Jahr werden hierzulande rund drei Prozent an Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erwartet, während es für 2012 nur noch knapp ein Prozent ist.

Wie stark die Krise noch wird, liegt vor allem an der Entwicklung in Italien. Sollten dort die Finanzierungsprobleme des Staates nicht strukturell, also auf längere Sicht, gelöst werden, wäre auch der gehebelte Europäische Rettungsfonds (ESFS) schnell an seinen Grenzen angelangt. Denn auch andere Staaten, wie Spanien und selbst Frankreich, könnten dann von der Misere angesteckt werden. Erhebliche Zinsaufschläge auf deren Staatsanleihen sind bereits heute zu erkennen. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Notwendigkeit der Begrenzung der Staatsschulden in vielen Staaten mittlerweile verstanden wurde, abzulesen unter anderen an der Bereitschaft verschiedener Regierungen, eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild zu installieren.

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