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Mittwoch, den 23. August 2017

Zertifikate als Geldanlage



Die Zertifikate, welche zu den strukturierten Finanzprodukten zählen, traten erstmals im Jahr 1989 in Form eines von der Dresdner Bank emittierten DAX-Zertifikats in Erscheinung. Seit dem hat sich der Markt für Zertifikate kontinuierlich weiterentwickelt. Die Zertifikate werden von Banken herausgegeben und sollen sich vorwiegend an Privatkunden richten. Das Ziel von Zertifikaten ist es Kleinanlegern Zugang zu Investitionsstrategien zu verschaffen, zu denen sie normalerweise aufgrund ihres geringen Investitionsvolumens keinen Zugang hätten. Das Zertifikat ist im Grundsatz ein derivatives Finanzinstrument. Das bedeutet, der Inhaber des Zertifikats wird an der Preisentwicklung des zugrundegelegten Basiswertes beteiligt. Als Basiswert können je nach Gestaltung des Zertifikats eine Aktie, ein Index, ein Wechselkurs oder aber auch der Preis eines Rohstoffs zugrunde gelegt werden. Der Anleger kauft also nicht den entsprechende Vermögenswert selbst, sondern ausschließlich ein Recht, an der Preisentwicklung eines Index oder eines anderen Vermögenswertes beteiligt zu werden.

 Vom rechtlichen Standpunkt aus handelt es sich bei Zertifikaten um eine Schuldverschreibung. Der Inhaber des Zertifikats ist der Gläubiger und die ausgebende Bank tritt als Schuldner in Erscheinung. Anders aber als die klassischen Schuldverschreibungen bieten Zertifikate in der Regel keine feste Zinsvergütung, sondern eine quotale Beteiligung am Erfolg der Unternehmung. Wie bei Schuldverschreibung grundsätzlich üblich, besteht auch bei Zertifikaten das Risiko, dass im Falle der Insolvenz des Herausgebers des Zertifikats ein Komplettverlust des eingesetzten Geldes droht. Denn anders als bei Spareinlagen und Fondsanteilen gibt es für die Inhaber von Zertifikaten bei einer Pleite der emittierenden Bank kein Sicherheitsnetz. Als im Zuge der Finanzkrise die amerikanische Bank Lehman Brothers in die Insolvenz ging, haben viele Inhaber von Zertifikaten, die von diesem Kreditinstitut emittiert wurden, ihr eingesetztes Kapital komplett verloren. Insbesondere bei den von großen deutschen Banken herausgegeben Zertifikaten dürfte das Risiko eines Komplettausfalls aber als relativ gering einzustufen sein.
Index- und Garantiezertifikate
Der Finanzmarkt bietet mittlerweile eine Vielzahl von unterschiedlichen Arten von Zertifikaten. Das Grundgerüst auf dem Markt der Zertifikate bilden dabei die Index- und Garantiezertifikate. Bei den Indexzertifikaten werden, wie der Namen bereits vermuten lässt, Indizes als Basiswert herangezogen. Die Indexzertifikate bilden dabei die Entwicklung des zugrunde gelegten Index in einem festgelegten Verhältnis nach. Steigt beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX um 500 Punkte, so würde der Wert des zugehörigen Zertifikats bei einem festgelegten Verhältnis von 1:100 um 0,5 Euro anwachsen. Sinkt dagegen der Dax würde dies in entsprechendem Verhältnis ebenfalls an das Zertifikat weitergegeben. Bei einem Aktienindex muss der Käufer zwischen Performanceindex(DAX) und Kursindex(Dow Jones) unterscheiden. Während beim Performanceindex die ausgezahlten Dividenden mit einbezogen werden, geschieht dies beim Kursindex nicht. Damit sind im Grundsatz Performanceindex Zertifikate vorteilhafter, allerdings bieten viele Anbieter einen Preisnachlass auf die Kursindex Zertifikate, um deren Nachteil bei den Dividenden auszugleichen.
Eine Abwandlung des Indexzertifikats ist das Basketzertifikat. Hier richtet sich die Wertentwicklung des Zertifikats nicht nach einem vorgegebenen Index, sondern nach der Wertentwicklung eines Warenkorbs. Die das Zertifikat emittierende Bank stellt dabei selbst eine Auswahl an verschiedenen Wertpapieren in diesem Warenkorb zusammen. Die strategische Ausrichtung des Basketzertifikats wird somit durch den Emittenten vorgegeben. Daher ist dieser Typ von Zertifikaten in seiner Gestaltung am ehesten mit einem Aktienfond zu vergleichen. Je nachdem, ob nachträglich noch Änderungen am Warenkorb durch den Emittenten vorgenommen werden, spricht man entweder von einem aktiven oder einem passiven Basketzertifikat. Da der Warenkorb eines Basketzertifikats im Vergleich zum Index in der Regel eine geringere Auswahl an Wertpapieren enthält, sind sowohl die Renditeausschichten als auch die Verlustrisiken eines Basketzertifikats größer als bei einem Indexzertifikat.
Im Vergleich mit den Indexzertifikaten richten sich die Garantiezertifikate insbesondere an risikoscheue Anleger. Während ein Indexzertifikat auch Kursverluste an den Inhaber des Zertifikats weitergibt, bieten die Garantiezertifikate dem Anleger eine Absicherung seines eingesetzten Kapitals. Das bedeutet, im schlechtesten Fall erhält der Inhaber des Zertifikats zum Ende der Laufzeit zumindest das von ihm eingesetzte Kapital zurück. Zu beachten gilt es allerdings, dass die Kapitalgarantie des Zertifikats nur am Ende der Laufzeit gilt. Sollte das Zertifikat bereits frühzeitig noch während der Laufzeit des Zertifikats verkauft werden, greift die Garantie nicht und es könnten möglicherweise doch Verluste realisiert werden. Auf jeden Fall gilt, der Schutz des Kapitals muss im Gegenzug mit einer niedrigeren Rendite erkauft werden.


Bonus- und Discountzertifikate
Zu den neueren Finanzkonstrukten im Bereich der Zertifikate gehören die Bonuszertifikate. Besonders für risikobewußte Anleger bieten die Bonuszertifikate eine interessante Alternative zu den Garantiezertifikaten. Auch bei dieser Art von Zertifikaten wird der Inhaber des Zertifikats gegen Kursverluste abgesichert. Diese Absicherung gilt allerdings nur bis zu einer vorher festgelegten Sicherheitsgrenze. Wenn der Kurs unter diese Grenze fallen sollte, greift das Sicherheitsnetz nicht länger und der Anleger muss genauso wie bei Indexzertifikaten den Kursverlust tragen. Auf der anderen Seite besteht der Vorteil bei Bonuszertifikaten gegenüber Garantiezertifikaten darin, dass bei einem Kursverlust innerhalb des vorgegeben Sicherheitsrahmens oder einer Stagnation des Kurses nicht nur das eingesetzte Kapital, sondern zusätzlich ein Bonus in vorher festgelegter Höhe ausgezahlt wird. Finanziert wird dieser eingebaute Sicherheitsmechanismus durch den Verzicht einer Dividendenauszahlung an den Inhaber des Bonuszertifikats. Insgesamt liegt die Risikokomponente bei dieser Art von Zertifikaten also leicht höher als bei den Garantiezertifikaten, da bei Bonuszertifikaten Kurseinbrüche nur in begrenzter Höhe abgesichert sind.
Eine weitere interessante Anlagealternative bieten Discountzertifikate. Anstelle einer Absicherung nach unten werden hier die möglichen Kursgewinne nach oben begrenzt. Weil dies für den Emittenten vorteilhaft, aber ein Nachteil für den Anleger ist, wird das Discountzertifikat zu einem Preis unterhalb des Preises des Basiswertes verkauft. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Preis des Basiswertes wird als Discount bezeichnet. Der Anleger gibt also die Chance auf Kursgewinne oberhalb einer Gewinnbegrenzung auf, um das Zertifikat billiger erwerben zu können und somit auch bei leichten Kursverlusten noch einen Gewinn zu realisieren. Discountzertifikate sind demnach immer dann besonders interessant, wenn der Käufer nur einen geringen Anstieg des Kurses erwartet. Durch die Gestaltungsmöglichkeiten bei Gewinnobergrenze und Verkaufspreis zeichnen sich Discountzertifikate als ausgesprochen flexibles Finanzinstrument aus. Bei einer hohen Gewinnobergrenze und einem Verkaufspreis nahe am Preis des Basiswertes handelt es sich um eine risikoreichere Geldanlage. Demgegenüber zeichnet eine stärkere Gewinnbegrenzung mit niedriger Gewinnobergrenze und einem Verkaufspreis deutlich unterhalb des Preises des Basiswertes eine risikoärmere Anlagevariante aus.
Bandbreiten- und Hebelzertifikate
Bei Bandbreitenzertifikaten wird ebenso wie bei Discountzertifikaten eine Gewinnobergrenze festgelegt. Zusätzlich wird hier allerdings noch eine Untergrenze vorgegeben. Fällt der Kurs des Basiswerts unter diese Untergrenze, verhält sich das Bandbreitenzertifikat genauso wie ein Indexzertifikat, der Inhaber muss also den Kursverlust selber tragen. Liegt der Kurs des Basiswertes allerdings innerhalb des Intervalls zwischen Ober- und Untergrenze, so profitiert der Inhaber des Bandbreitenzertifikats überproportional von der Kursentwicklung. Als Gegenleistung verzichtet der Anleger, wenn der Kurs des Basiswerts über die Gewinnobergrenze hinweg weiter ansteigt, auf eine weitere Teilhabe am Kursgewinn. In diesem Fall bekommt er maximal die Gewinnobergrenze zuzüglich der Differenz zwischen Obergrenze und Anfangsbetrag. Somit eignen sich die Bandbreitenzertifikate insbesondere für Anleger, die nur geringe Kursschwankungen des Basiswertes erwarten und innerhalb der erwarteten Bandbreite eine möglichst hohe Rendite erreichen wollen.
Die letzte hier vorgestellte Variante von Zertifikaten zielt insbesondere auf risikofreudige Anleger mit einer hohen Renditeerwartung ab. Die Hebelzertifikate stellen dabei eine Alternative zu den klassischen Optionsscheinen dar. Während alle anderen Zertifikate stets auf steigende Kurse des zugrundeliegenden Vermögenswertes bauen, hat der Erwerber von Hebelzertifikaten die Wahl, ob er auf fallende oder steigende Kurse setzen möchte. Die Variante mit steigenden Kursen wird als Long-Hebelzertifikat, die entgegengesetzte Erwartung von fallenden Kursen als Short-Hebelzertifikat bezeichnet. Hat man sich für eine der beiden Variante entschieden, tritt die zweite Besonderheit dieser Zertifikate in den Vordergrund. Der sogenannte Hebel sorgt dafür, dass der Wert des Zertifikats von Kurssteigerungen oder Kursverlusten überproportional profitiert. Die Hebelwirkung kommt dadurch zustande, dass der Preis des Zertifikats unterhalb des Preises des Basiswerts liegt. Da sich hier schnell hohe Renditen erwirtschaften lassen, werden Hebelzertifikate auch Turbozertifikate genannt. Den hervorragenden Renditeaussichten der Hebelzertifikate steht aber in Form eines deutlich erhöhten Verlustrisikos auch ein gravierender Nachteil gegenüber. So wird bei Hebelzertifikaten vorab eine Grenze festgelegt, bei deren unterschreiten bzw. überschreiten je nachdem ob man auf steigende oder fallende Kurse gesetzt hat, das Zertifikat sofort wertlos wird.
Insgesamt lässt sich also festhalten, dass der Markt der Zertifikate eine große Palette unterschiedlicher Produkte bereit hält, um die Wünsche der verschiedenen Anlegertypen zu erfüllen. So bieten einerseits Garantie- oder Bonuszertifikate die nötige Sicherheit für konservative Anleger, wogegen die hochspekulativen Hebelzertifikate mehr die Bedürfnisse risikofreudiger Anleger befriedigen. Beachten muss jeder Anleger, dass Zertifikate das inhärente Risiko aller Schuldverschreibungen teilen, wonach im Falle einer Pleite des Emittenten ein Totalverlust des angelegten Kapitals droht.

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