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Mittwoch, den 23. August 2017

Ethische Geldanlage

Rendite erzielen unter dem Gesichtspunkt der Ethik


Für viele Menschen stehen Gewinnstreben und Ethik als Gegensätze gegenüber. Ein Konflikt zwischen diesen beiden Begriffen muss aber nicht zwangsläufig bestehen, wie die Anlageform der ethischen Geldanlage eindrucksvoll nachweißt.
Lange Zeit galt bei Geldanlagen die Maßgabe, einen möglichen hohen Profit zu erwirtschaften. Dazu wurde in erster Linie versucht, die Rendite zu maximieren und gleichzeitig das Risiko einer Investition zu minimieren. In der letzten Zeit aber kommt es immer häufiger zu einem Umdenken bei vielen Anlegern. Neben den finanziellen Interessen treten auch immer mehr ethische Aspekte in den Vordergrund. Viele Anleger bevorzugen daher Anlagealternativen, in die sie aus ethischen Gesichtspunkten mit einem guten Gewissen investieren können. Die in ethische Geldanlagen investierten Summen gingen zuletzt deutlich nach oben. Besonders die aktuelle Finanzkrise hat vielen Anlegern die negativen Folgen eines übertriebenen Profitstrebens vor Augen geführt, so dass eine ethische Geldanlage für immer mehr Menschen zu einer interessanten Alternative wird. Bei dieser auch als nachhaltige Geldanlage bezeichneten Investition, wird nur Kapital an Kreditnehmer vergeben, deren Verhalten ethischen Maßstäben Rechnung trägt.
Historische Entwicklung

Auch wenn die ethische Geldanlage erst zum jetzigen Zeitpunkt als Folge der Finanzkrise die Aufmerksamkeit vieler Anleger gewonnen hat, so liegen ihre Wurzeln doch bereits einige Jahrzehnte in der Vergangenheit. Die Grundidee eine Geldanlage mit ethischen Aspekten zu verknüpfen, geht zurück in die Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Zu dieser Zeit existierten politische Strömungen, die sowohl die Apartheid in Südafrika also auch den Vietnamkrieg ablehnten.Die Anhänger dieser politischen Bewegungen wollten selbstverständlich kein Geld in Rüstungsfirmen oder Unternehmen, die mit dem Südafrikanischen Regime in Verbindung standen, investieren. Zunächst entstanden in den Vereinigten Staaten und England spezielle Fonds mit Ausschlusskriterien für in diesen Bereichen tätige Unternehmen. Insbesondere institutionellen Anlegern wie Universitäten, Stiftungen und Kirchen wurde eine derartige Anlagepolitik offeriert. In Deutschland und dem Rest Europas kam die Ablehnung von Atomkraft als zusätzliches ökologisches Kriterium hinzu. Den Anfang derartiger Investments begründete in Deutschland die GLS Gemeinschaftsbank. In den Folgejahren kamen weitere alternative Kreditinstitute, wie z.B. die Ökobank, hinzu, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, ökologische und soziale Unternehmungen zu finanzieren. In den Neunziger Jahren wurde die ethische Geldanlage als Gegenpol zu der zunehmend in die Kritik geratene Globalisierung und der Zunahme profitorientierter Finanzspekulationen immer beliebter.
Soziale und ökologische Aspekte
Problematisch ist die Definition einer ethischen Geldanlage, da der Begriff Ethik sehr abstrakt ist. Die Maßgabe was unter ethischem Handeln zu verstehen ist, wird von jedem Anleger unterschiedlich bewertet. Man bedenke nur einmal, wie unterschiedlich die Auffassungen zur ethischen Verantwortung im Bereich der Forschung sind. Während einige Anleger für ihr Investment hauptsächlich Rüstungsfirmen ausschließen möchten, legen andere Anleger viel strengere Maßstäbe für eine ethische Geldanlage an.
Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten ethische Kriterien bei Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. So können sowohl soziale als auch ökologische Kriterien bei der Investmententscheidung eine Rolle spielen. Während der Anleger im ersten Fall besonders auf eine umweltfreundliche Produktion wert legt, ist dem Anleger im zweiten Fall ein guter Umgang mit Mitarbeitern sowie soziales Engagement der Firma wichtiger. Natürlich können auch ökologische und soziale Aspekte miteinander kombiniert werden. Da die Möglichkeiten einer ethischen Geldanlage so vielfältig sind, sollte der interessierte Anleger genau überlegen, welche ethischen Maßstäbe seinen persönlichen Präferenzen entsprechen.
Vermeidende ethische Geldanlage
In der praktischen Umsetzung einer ethischen Geldanlage bestehen zwei verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung einer derartigen Investition. Zum einen gibt es die Möglichkeit einer vermeidenden ethischen Geldanlage. Dabei werden alle Unternehmen, die nicht nach ethischen Maßgaben handeln, für ein Investment ausgeschlossen. Das unternehmerische Handeln muss dabei anhand verschiedener Faktoren bezüglich der ethischen Aspekte bewertet werden. Anhand dieser Bewertung kann dann ein branchenspezifisches Ranking bezogen auf die Ethik erstellt werden. Die Unternehmen die bei diesem Ranking die hinteren Plätze belegen fallen als Anlageoptionen raus. Unter den verbleibenden Unternehmen kann man dann anhand traditioneller ökonomischer Standards wie Risiko und Renditeerwartungen die geeigneten Anlagealternativen auswählen. Wenn man sich bei der ethischen Geldanlage ausschließlich auf das bezogen auf ethische Kriterien bestplatzierte Unternehmen einer Branche konzentriert, spricht man vom „Best in class“ Ansatz.
Grundsätzlich kann man sagen, je mehr Unternehmen aus ethischen Motiven als Anlageoptionen ausgeschlossen werden, desto mehr tritt der ethische Aspekt einer Geldanlage gegenüber Renditeaspekten in den Vordergrund. Bei Anlageprodukten mit variabler Verzinsung steht die tatsächlich realisierte Rendite bei Abschluss der Geldanlage noch nicht fest. Es kann ausschließlich anhand der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Prognose für die erwartete Rendite berechnet werden. Die erwartete Rendite einer ethischen Geldanlage wird in der Regel geringer ausfallen. Die geringere erwartete Rendite stellt somit den Preis für den ethischen Mehrwert einer Investition dar. Da es sich nur um eine Prognose handelt, kann die tatsächliche Rendite jedoch von der erwarteten Rendite abweichen. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung kann die ethische Geldanlage am Ende auch eine höhere Rendite erwirtschaften als ein Investment, das ausschließlich nach ökonomischen Geschichtspunkten ausgewählt wurde.
 
 Fördernde ethische Geldanlage
Die zweite Möglichkeit eines ethischen Investments besteht in dem Abschluss einer fördernden ethischen Geldanlage. Bei dieser Variante werden die von den Anlegern bereitgestellten finanziellen Mittel ausschließlich an Unternehmen vergeben, die sich gemessen an ethischen Kriterien als besonders förderungswürdig erweisen. Mit diesen finanziellen Mitteln sollen insbesondere natur- und sozialverträgliche Wirtschaftsformen gefördert werden. Häufig handelt es sich hierbei um Unternehmen, die von konventionellen Geldgebern keine Kredite erhalten würden. Weiterhin bekommen diese Unternehmen die Kredite oft zu deutlich günstigeren Konditionen. Auf der Gegenseite erhält der Geldgeber dafür in der Regel eine geringere Rendite.
Ethische Banken
Mittlerweile findet man fast alle gängigen Finanzprodukte auch in einer ethischen Variante. Der ethische Anleger kann also genauso auf Lebensversicherungen oder Fonds zurückgreifen wie ein konventioneller Anleger. Wer sich für eine ethische Geldanlage interessiert, hat zwei Möglichkeiten. Entweder er wechselt zu einem der ethisch geprägten Kreditinstitute, wie der Ethikbank, der GLS Bank oder der Umweltbank. Das gesamte Angebot und die Geschäftspolitik dieser alternativen Banken sind nach ethischen Grundsätzen ausgerichtet.
Der Anleger hat darüber hinaus aber mittlerweile auch die Möglichkeit sein Kapital bei seiner Hausbank zu belassen, ohne auf die Vorteile eines ethischen Investments verzichten zu müssen. Denn auch Geschäftsbanken und kommerzielle Finanzdienstleister haben den Trend des ethischen Investments mittlerweile aufgegriffen. Sie bieten neben ihren klassischen Geldanlageprodukten auch ethisch zusammengestellte Finanzprodukte an. Allerdings muss der Anleger dann in Kauf nehmen, dass der Finanzintermediär in anderen Bereichen ausschließlich renditeorientiert investiert. Der Verkäufer des ethischen Anlageprodukts handelt selbst nicht ethisch motiviert, sondern setzt das Verkaufsargument Ethik als Marketingstrategie ein. In diesem Zusammenhang muss auch beachtet werden, dass bisher noch keine gesetzlich festgeschriebene Definition des Begriffes ethische Geldanlage existiert. Der Kunde muss also selber genau darauf achten, was ihm als ethische Geldanlage angepriesen wird.
Ein Index für ethische Geldanlagen
Ein Index bildet die Kursentwicklung ausgewählter Wertpapiere ab. Um der wachsende Bedeutung von ethischen Investments Rechnung zu tragen, wurde auch Indizes geschaffen, die speziell die Performance derartiger Investments aufzeigen. In diesen Indizes sind ausschließlich die Wertpapiere von Unternehmen, die nach sozialen oder ökologischen Kriterien ausgewählt wurden, enthalten. Seit 1999 existiert der „Dow Jones Sustainability Index“. Bei diesem Index werden aus der gesamten Anzahl aller im Dow Jones notierten Unternehmen die besonders nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen ausgewählt. Dazu wird der oben erläuterte „Best in class“ Ansatz verwendet. Speziell auf europäische Unternehmen zugeschnitten ist der „Dow Jones STOXX Sustainability Index“. In diesem sind als Branchenführer auch die deutschen Unternehmen BASF und BMW enthalten.
Einige kritische Anleger werden allerdings ein grundsätzliches Problem damit haben, wenn sie mit ihrer ethische Geldanlage auch in Unternehmen aus der Chemie- oder Automobilbranche investieren. Für diese Investoren bietet sich eine geeignete Alternative in Form des „Natur-Aktien-Index“. Dieser Index konzentriert sich vor allem auf Themen wie erneuerbare Energien oder Konsumgüter aus den Branchen Ernährung, Kleidung und Freizeit. Auch bei diesem Index werden die Unternehmen nach sozialen und ökologischen Geschichtspunkten bewertet. In den ersten fünf Jahren nach seiner Einführung hat der „Natur-Aktien-Index“ ein Wachstum in Höhe von 100 % erreicht und somit bewiesen, dass auch ethische Investments äußerst rentabel sein können.
Insgesamt hat sich also gezeigt, dass die gewinnbringende Anlage von Geld nicht im Widerspruch zu einem ethischen Handeln stehen muss. Ob ein ethisches Investment für den einzelnen Anleger sinnvoll ist, kann nur jeder Anleger für sich selber beantworten. Das hängt nämlich von den jeweiligen Präferenzen der einzelnen Person ab.

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